Alte Türen gehören für mich zu den Bauteilen, bei denen sich Restaurieren besonders lohnt. Eine massive Holztür, die seit Jahrzehnten ihren Dienst tut, muss nicht ersetzt werden, nur weil der Lack vergilbt, beschädigt oder mehrfach überstrichen wurde.

Mit etwas Geduld lassen sich alte Türen häufig wieder sehr schön herrichten. Entscheidend ist dabei weniger, möglichst viel alten Lack herunterzuschleifen, sondern zunächst herauszufinden, welcher Zustand tatsächlich vorliegt.

Erst prüfen – dann schleifen

Bevor die Arbeit beginnt, sollte der vorhandene Anstrich genau angesehen werden. Sitzt der alte Lack noch fest und bildet einen tragfähigen Untergrund, muss er nicht zwangsläufig vollständig entfernt werden. Tragfähige Altbeschichtungen können nach geeigneter Reinigung und Vorbereitung weiterbeschichtet werden. Lose, abblätternde oder nicht mehr tragfähige Lackschichten müssen dagegen entfernt werden. So unterscheidet auch Caparol in seiner technischen Information.

Wer grundsätzlich versucht, sämtliche alten Farbschichten bis aufs rohe Holz abzuschleifen, macht sich möglicherweise viel Arbeit, ohne damit zwangsläufig ein besseres Ergebnis zu erzielen.

Bei sehr alten Anstrichen zuerst mögliche Schadstoffe klären: Alte Lackschichten auf Holztüren können Blei enthalten. Trockenes Abschleifen oder Abbrennen kann dann gefährliche Stäube beziehungsweise Rauche freisetzen. Bei unbekannten historischen Beschichtungen sollte ein Fachbetrieb die Belastung und ein geeignetes Verfahren klären, bevor geschliffen wird. Die BG BAU beschreibt dafür besondere Arbeitsverfahren.

Beschläge möglichst vorher entfernen

Türklinken, Schilder und andere abnehmbare Beschläge entferne ich möglichst vor Beginn der Arbeiten. Das erleichtert die Vorbereitung und Lackierung und verhindert unsaubere Farbkanten rund um die Beschläge.

Bei historischen Beschlägen lohnt sich ein vorsichtiger Umgang. Gerade originale Details tragen erheblich zum Charakter einer Altbautür bei. Den Arbeitsbereich und den Boden sorgfältig abdecken; Türblatt und Zarge jeweils nach ihrem Zustand beurteilen.

Reinigen und vorbereiten

Die Oberfläche muss sauber, trocken, tragfähig und frei von haftungsmindernden Verschmutzungen sein. Tragfähige Altanstriche werden entsprechend dem gewählten Lacksystem vorbereitet. Nicht mehr tragfähige Stellen werden entfernt und die Übergänge sauber beigeschliffen.

Eine universelle Schleifkörnung möchte ich hier bewusst nicht mehr vorgeben. Wie grob oder fein das Schleifpapier sein muss, hängt davon ab, ob alte Lackschichten entfernt, Unebenheiten ausgeglichen oder lediglich eine vorhandene Beschichtung für den nächsten Anstrich vorbereitet werden soll.

Der Untergrund bestimmt die Arbeit – nicht eine starre Zahl auf dem Schleifpapier. Schleifstaub gründlich entfernen. Für die Arbeiten die Schutzmaßnahmen und Lüftungshinweise des jeweiligen Produktes beachten.

Schäden ausbessern

Alte Türen haben häufig Macken, kleine Löcher oder beschädigte Kanten. Solche Stellen können mit einem für Holz und die anschließende Beschichtung geeigneten Lackspachtel ausgebessert werden. Unser Altbau-Experte im Film zeigt die Arbeit am Türblatt. Seine Materialwahl ist ein Praxisbeispiel, keine Vorgabe für jede Tür.

Erst nach der vom Hersteller angegebenen Trocknungs- beziehungsweise Bearbeitungszeit werden die reparierten Stellen plan geschliffen. „Nach wenigen Minuten vollständig ausgehärtet“ lässt sich nicht pauschal für jeden Zweikomponentenspachtel behaupten.

Auch Risse und Fugen müssen vor der Reparatur beurteilt werden. Unser älterer Beitrag Vorarbeit mit Acryl zeigt eine frühere Vorgehensweise. Ob das Material für die konkrete Fuge und den Lack geeignet ist, richtet sich nach den aktuellen Herstellerangaben; die dort beschriebene Methode ist keine allgemeine Vorgabe.

Bei einer alten Tür darf man überlegen, ob wirklich jede kleine Unebenheit verschwinden muss. Eine hundert Jahre alte Tür muss meiner Meinung nach nicht aussehen, als wäre sie gestern aus einer industriellen Fertigung gekommen. Ein wenig Geschichte darf sichtbar bleiben.

Grundieren, vorlackieren und lackieren

Hier gibt es keine einzige Beschichtungsfolge, die für jede alte Tür richtig ist. Je nach Holz, vorhandenem Altanstrich und verwendetem Lacksystem können Grundierung, Zwischenbeschichtung beziehungsweise Vorlack und Schlusslack erforderlich sein. Bei Hölzern mit verfärbenden Inhaltsstoffen kann eine isolierende Grundierung nötig sein.

Deshalb möglichst innerhalb eines aufeinander abgestimmten Beschichtungssystems arbeiten und dessen technische Angaben beachten. Die Caparol-Fachinformation zeigt beispielsweise unterschiedliche Aufbauten je nach Untergrund.

Ob und wie zwischen den Beschichtungen geschliffen wird, bestimmen die Verarbeitungshinweise des gewählten Systems. Anschließend gründlich entstauben. Auch Werkzeug, Auftrag und Schichtdicke müssen zum Lack passen; je nach Produkt eignen sich Pinsel oder Lackrolle.

Überstreichbar ist nicht dasselbe wie vollständig durchgetrocknet. Die Wartezeiten hängen vom Produkt und von den Bedingungen ab. Niedrige Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit oder dicke Schichten können sie verlängern. Deshalb keine allgemeine Zwölf-Stunden-Regel anwenden und die Tür erst entsprechend den Herstellerangaben wieder belasten.

Ein Tipp vom Vater des Altbaumeisters

Der Vater des Altbaumeisters hatte noch einen kleinen Tipp: Immer die Türinnenseite der Toilette besonders sorgfältig streichen – hier wird oft sehr lange draufgeschaut. 🙂

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Tipps vom Altbaumeister

Nicht gleich austauschen.

Eine alte Holztür kann unter den vielen Farbschichten noch erstaunlich viel Substanz besitzen. Prüfen, ausbessern und neu lackieren kann helfen, ihre Proportionen, Beschläge und ein Stück Geschichte des Hauses zu erhalten. Ob sich das lohnt, entscheidet der tatsächliche Zustand.

Der alte Salmiakgeist-Tipp

Im bisherigen Artikel wurde Salmiakgeist pauschal zum Vorreinigen empfohlen. Diesen Tipp gebe ich heute nicht mehr als allgemeine Empfehlung für Heimwerker weiter. Reinigung und Vorbehandlung müssen zum vorhandenen Untergrund und zum gewählten Lacksystem passen. Dass ammoniakalische Reinigung bestimmte fachliche Anwendungen hat, macht sie nicht zum Universalreiniger für jede Altbautür.