Holzfußböden im Altbau

Alte Holzfußböden gehören für mich zu den Dingen, die einem Altbau seinen besonderen Charakter geben.

Dielen, Parkett, Gebrauchsspuren, kleine Unebenheiten – vieles davon erzählt etwas über die Geschichte eines Hauses. Und ein Boden, der bereits viele Jahrzehnte überstanden hat, sollte nicht vorschnell unter Laminat oder einem anderen neuen Belag verschwinden.

Allerdings ist die Restaurierung alter Holzfußböden eine Sache für sich.

Am Anfang steht die Analyse: Lohnt sich der Aufwand?

Bevor die Schleifmaschine geholt wird, sollte man sich den vorhandenen Boden genau ansehen. Ist er konstruktiv noch in Ordnung? Gibt es lose oder fehlende Dielen? Schwingt der Boden ungewöhnlich stark? Gibt es Hinweise auf Feuchtigkeit, Pilzbefall oder Insektenfraß?

Und vor allem: Was für einen Boden habe ich eigentlich vor mir?

Eine einfache alte Dielung verlangt möglicherweise eine andere Vorgehensweise als historisches Parkett oder ein aufwendig gestalteter Boden.

Gerade bei historisch wertvollen Holzfußböden kann Abschleifen die falsche Entscheidung sein. Das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg warnt davor, solche Böden abzuschleifen: Dabei können historische Substanz und Patina verloren gehen; bei dünnen oder furnierten Böden können sogar Nuten oder Trägermaterial freigelegt werden. Reinigung, Reparatur und eine fachgerechte Behandlung der vorhandenen Oberfläche können die bessere Lösung sein.

Deshalb gilt für mich: Erst ansehen, dann entscheiden – und erst ganz am Ende an die Schleifmaschine denken.

Erhalten statt ersetzen

Natürlich muss man sich auch ehrlich fragen, ob eine Restaurierung wirtschaftlich und technisch noch sinnvoll ist.

Fehlende Dielen lassen sich unter Umständen durch passendes Altholz oder geeignete Ersatzstücke ergänzen. Lose Bereiche können möglicherweise wieder befestigt werden. Andere Schäden können dagegen so weit gehen, dass ein Fachbetrieb die Konstruktion beurteilen sollte.

Dabei muss ein alter Boden anschließend nicht aussehen wie neu.

Im Gegenteil: Kleine Gebrauchsspuren, Farbunterschiede und Reparaturen gehören für mich zu einem Altbau. Ziel ist nicht unbedingt ein vollkommen gleichmäßiger Boden wie aus dem Baumarkt, sondern ein technisch brauchbarer Boden, dem man sein Alter durchaus noch ansehen darf.

Aber wenn man das Ergebnis alter, zurechtgemachter Böden sieht, ist man in der Regel doch froh, mit der Arbeit begonnen zu haben.

Wenn geschliffen werden soll

Ist der Boden dafür geeignet und soll die vorhandene Oberfläche tatsächlich vollständig aufgearbeitet werden, kann Schleifen ein Teil der Restaurierung sein.

Der notwendige Schleifaufbau hängt vom Zustand des Bodens, der vorhandenen Oberfläche, den Unebenheiten und vom gewünschten Ergebnis ab. Auch ein diagonaler Grobschliff ist keine Pflichtübung für jeden alten Boden.

Der Grundsatz lautet deshalb:

So grob wie nötig – aber so wenig Material wie möglich abtragen.

Bei stärkeren Unebenheiten können professionelle Walzen- oder Bandschleifmaschinen eingesetzt werden. Randbereiche benötigen entsprechende Randschleifer; für weitere Bearbeitungsschritte kommen je nach Verfahren andere Maschinen, beispielsweise Einscheibenschleifmaschinen, zum Einsatz.

Wer mit diesen Maschinen noch nie gearbeitet hat, sollte ihren Materialabtrag nicht unterschätzen. Ein Fehler ist sehr schnell in das Holz geschliffen – und deutlich schwieriger wieder herauszubekommen.

Bei wertvollem Parkett, Intarsien, sehr dünnem Material oder einem möglicherweise denkmalrelevanten Boden würde ich deshalb einen Fachbetrieb beziehungsweise Restaurator hinzuziehen.

Nägel, Schrauben und Reparaturen vorher kontrollieren

Bevor eine Schleifmaschine über alte Dielen läuft, muss die Fläche sorgfältig kontrolliert werden.

Hervorstehende Nagel- oder Schraubenköpfe können nicht nur das Schleifmittel beschädigen. Beim Kontakt mit der Maschine können auch Funken entstehen. Sie können außerdem ein Hinweis darauf sein, dass sich an dieser Stelle etwas bewegt hat.

Deshalb nicht einfach mechanisch alles „verschwinden lassen“, sondern zunächst schauen, warum eine Befestigung hervorsteht und ob die Diele noch vernünftig sitzt. Vor dem Schleifen müssen die Köpfe fachgerecht so tief versenkt beziehungsweise nachgezogen werden, dass die Maschine sie nicht anschleifen kann.

Fehlende oder beschädigte Dielen sollten ebenfalls vor der eigentlichen Oberflächenbehandlung fachgerecht ergänzt beziehungsweise repariert werden.

Staub ist der Feind einer guten Oberfläche

Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten gründlich reinigen.

Schleifstaub auf der Fläche kann das Ergebnis der nächsten Bearbeitung beeinträchtigen. Besonders vor einer abschließenden Oberflächenbehandlung sollte der Boden sorgfältig staubfrei sein.

Ölen, wachsen oder versiegeln?

Auch hier gibt es nicht die eine richtige Antwort für jeden Altbauboden.

Entscheidend sind Holzart, vorhandene Oberfläche, Nutzung des Raumes und der Zustand des Bodens.

Bei einem historischen Boden kommt außerdem noch eine andere Frage hinzu:

Welche Oberfläche gehört eigentlich zu diesem Boden und was davon möchte ich erhalten?

Gerade bei wertvollen historischen Oberflächen sollte nicht automatisch versiegelt werden. Die Denkmalpflege betont den Erhalt gewachsener historischer Oberflächen und Patina.

Bei einem normalen alten Dielenboden außerhalb eines denkmalpflegerischen Zusammenhangs stehen dagegen verschiedene moderne Oberflächensysteme zur Verfügung. Hier sollte man sich an die Verarbeitungsvorgaben des gewählten Herstellers halten.

Und danach: richtig pflegen

Einen alten Holzboden muss man nicht regelmäßig abschleifen.

Jeder vollständige Schliff trägt Holz ab.

Für die normale Pflege reicht bei vielen behandelten Holzböden regelmäßiges trockenes Reinigen und – abhängig von der Oberfläche – gelegentliches nebelfeuchtes Wischen. Zu viel Wasser sollte vermieden werden. Der Verband der Deutschen Parkettindustrie empfiehlt ebenfalls zunächst Saugen und anschließend nur nebelfeuchtes Wischen.

Welche Reinigungs- und Pflegemittel geeignet sind, hängt wiederum davon ab, ob der Boden beispielsweise geölt, gewachst oder versiegelt ist.

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Tipps vom Altbaumeister

Nicht jede Unebenheit ist ein Schaden und nicht jede Gebrauchsspur muss verschwinden.

Bei einem hundert Jahre alten Holzfußboden darf man ruhig sehen, dass Menschen darauf gelebt haben.

Bevor ich deshalb einen alten Boden komplett abschleifen oder sogar herausreißen würde, würde ich immer zuerst prüfen, was sich erhalten lässt.

Eine neue Oberfläche kann man kaufen.

Hundert Jahre Geschichte nicht.