Wasser ist meistens der Anfang des Problems

Ein Balkon ist das ganze Jahr der Witterung ausgesetzt. Regen, Schnee, Frost, Sonne und große Temperaturschwankungen beanspruchen Belag, Fugen, Abdichtung und die eigentliche Konstruktion.

Besonders kritisch wird es, wenn Wasser nicht mehr zuverlässig ablaufen kann.

Pfützen allein bedeuten noch nicht automatisch einen schweren Schaden. Wenn Wasser jedoch dauerhaft stehen bleibt, Abläufe verstopft sind oder Feuchtigkeit unter den Belag gelangt, können sich über längere Zeit Schäden entwickeln.

Deshalb beginnt eine Balkonsanierung für mich nicht mit neuen Fliesen.

Sie beginnt mit der Frage: Wo bleibt eigentlich das Wasser?

Erst ansehen, dann sanieren

Bevor irgendetwas herausgerissen oder neu beschichtet wird, sollte der vorhandene Balkon genau untersucht werden.

Typische Warnzeichen sind beispielsweise:

  • lose oder hohl klingende Fliesen,
  • gerissene oder ausgewaschene Fugen,
  • Abplatzungen am Beton,
  • Rostspuren,
  • sichtbare Bewehrung,
  • Risse,
  • Feuchtigkeit an angrenzenden Wänden oder unterhalb des Balkons,
  • regelmäßig stehendes Wasser.

Nicht jeder Riss ist automatisch ein statisches Problem. Wenn Beton jedoch abplatzt, Bewehrungsstahl sichtbar wird oder sich deutliche Schäden an der tragenden Balkonplatte zeigen, gehört die Beurteilung in fachkundige Hände.

Gerade bei älteren Balkonen reicht es nicht, nur die sichtbare Oberfläche zu reparieren.

Entwässerung und Abdichtung gehören zusammen

Ein Balkon muss Niederschlagswasser zuverlässig ableiten.

Dafür können – abhängig von Bauart und Größe – beispielsweise Abläufe, Rinnen, Tropfkanten oder andere Entwässerungslösungen eingesetzt werden.

Entscheidend ist aber nicht allein der sichtbare Ablauf.

Auch die Abdichtung unter dem Belag sowie Anschlüsse an Türen, Wände, Fassaden und Randbereiche müssen so ausgeführt sein, dass Wasser nicht in die Konstruktion eindringen kann.

Die heute maßgebliche DIN 18531 behandelt Balkone deshalb nicht einfach als geflieste Außenflächen, sondern als abzudichtende Bauteile.

Ohne Gefälle wird es schwierig

Wasser muss zur vorgesehenen Entwässerung gelangen können.

Ein ausreichendes Gefälle gehört deshalb zu einer funktionierenden Konstruktion. Eine pauschale Prozentzahl für jeden Balkon wäre allerdings zu einfach: Die erforderliche Ausführung hängt vom Abdichtungssystem, vom Belag und von der Entwässerung ab.

Die Anforderungen an Abdichtung, Untergrund und Nutzbelag müssen dabei aufeinander abgestimmt werden. Auch bei vorhandenem Gefälle kann es zu kleineren Wasseransammlungen kommen.

Bei einer Sanierung sollte deshalb nicht einfach irgendein Gefälleestrich eingebaut werden. Zuerst muss klar sein, wohin das Wasser anschließend geführt wird und wie Abdichtung, Ablauf und Anschlüsse zusammenpassen.

Fliesen sind nicht die Abdichtung

Das ist ein Punkt, der bei Balkonen leicht übersehen wird.

Eine geflieste Oberfläche ist nicht automatisch wasserdicht. Wasser kann über Fugen, Anschlüsse oder beschädigte Bereiche in den Aufbau gelangen.

Deshalb braucht ein entsprechender Balkonaufbau eine dafür geeignete Abdichtung.

Darüber können anschließend – abhängig vom gewählten System – beispielsweise Fliesen, Platten oder andere geeignete Beläge aufgebaut werden.

Auch eine Beschichtung kann Bestandteil einer Sanierung sein. Eine beliebige „2-Komponenten-Fußbodenfarbe“ ersetzt aber nicht automatisch eine fachgerechte Balkonabdichtung.

Hier muss immer das komplette System für den jeweiligen Einsatz vorgesehen sein.

Besondere Aufmerksamkeit für Rand und Tür

Problemstellen liegen häufig dort, wo verschiedene Bauteile zusammentreffen:

am Übergang zur Fassade, an Türschwellen, an Geländerbefestigungen, Abläufen und Balkonrändern.

Gerade an Türen muss verhindert werden, dass Wasser gegen den Anschluss steht oder bei starkem Regen in das Gebäude gelangt.

Bei niedrigen beziehungsweise barrierearmen Türanschlüssen können deshalb zusätzliche Entwässerungsmaßnahmen erforderlich sein.

Auch Rand- und Tropfprofile haben eine klare Aufgabe: Wasser soll kontrolliert von der Konstruktion weggeführt werden und nicht an der Unterseite oder Fassade entlanglaufen.

Sie sind jedoch kein Ersatz für eine funktionierende Abdichtung.

Abläufe müssen erreichbar bleiben

Die beste Entwässerung funktioniert nicht, wenn sie mit Laub, Erde oder Schmutz zugesetzt ist.

Abläufe und Rinnen sollten deshalb regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden.

Das gehört zur normalen Unterhaltung eines Balkons genauso wie die Kontrolle sichtbarer Fugen und Anschlüsse. Auch die Regelwerke behandeln Wartung ausdrücklich als Teil einer dauerhaft funktionierenden Abdichtung.

Besonders sinnvoll ist eine Kontrolle nach dem Herbst und nach starken Unwettern.

Vorsicht beim Reinigen

Ein Balkon muss selbstverständlich sauber gehalten werden.

Bei vielen Oberflächen reichen Wasser, eine Bürste und ein für den vorhandenen Belag geeignetes Reinigungsmittel.

Mit Hochdruck- oder Dampfstrahlern würde ich dagegen nicht pauschal an jeden alten Balkon gehen.

Bei beschädigten Fugen, alten Beschichtungen oder bereits angegriffenen Oberflächen kann eine aggressive Reinigung vorhandene Schwachstellen zusätzlich belasten.

Deshalb zuerst schauen, welche Oberfläche vorhanden ist und in welchem Zustand sie sich befindet.

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Tipp vom Altbaumeister

Ein Balkonproblem löst man selten dauerhaft, indem man nur die sichtbare Schadstelle zuspachtelt.

Wenn eine Fliese immer wieder abplatzt, eine Ecke ständig feucht bleibt oder sich unter dem Balkon erneut eine Wasserfahne bildet, sollte man zuerst nach der Ursache suchen.

Bei einem Balkon führt die Spur sehr häufig zum Wasser.

Erst wenn klar ist, wo es herkommt, wohin es laufen soll und welche Abdichtung darunter vorhanden ist, würde ich mit der eigentlichen Sanierung beginnen.