Wände dürfen auch Persönlichkeit haben

Eine Wand muss nicht immer nur weiß oder einfarbig gestrichen werden.

Mit Lasuren, Wisch-, Wickel- oder Tupftechniken und strukturierten Putzen lassen sich Flächen gestalten, die wesentlich lebendiger wirken als ein normaler Anstrich. Gerade im Altbau kann das gut funktionieren, weil die Räume häufig schon durch hohe Decken, alte Türen, Holzböden oder besondere Fenster geprägt sind.

Dabei gilt allerdings:

Nicht jede Wand braucht einen Effekt.

Oft wirkt eine einzelne gestaltete Fläche stärker als ein kompletter Raum voller Struktur und Farbe.

Erst ausprobieren – dann die ganze Wand

Bei Effekttechniken lässt sich das spätere Ergebnis deutlich schlechter anhand eines Farbfächers beurteilen als bei einem normalen deckenden Anstrich.

Besonders Lasuren verändern ihre Wirkung abhängig vom Untergrund, dessen Farbton und Struktur, der Schichtdicke und sogar davon, welches Werkzeug verwendet wird. Hersteller empfehlen deshalb ausdrücklich Musterflächen, bevor größere Bereiche bearbeitet werden.

Mein Rat ist deshalb ganz einfach:

Erst einmal ausprobieren.

Ein Reststück Gipskarton, eine Musterplatte oder eine unauffällige Wandfläche eignet sich hervorragend dafür.

So sieht man schnell, ob Farbe, Struktur und Werkzeug tatsächlich das Ergebnis erzeugen, das man sich vorgestellt hat.

Der Untergrund entscheidet mit

Auch bei dekorativen Techniken beginnt die Arbeit nicht mit der Farbe, sondern mit der Wand.

Der Untergrund sollte sauber, trocken und tragfähig sein. Wie glatt er sein muss und ob eine Grundierung erforderlich ist, hängt anschließend vom verwendeten System ab.

Das ist bei Lasuren besonders wichtig: Weil sie teilweise transparent bleiben, können Unterschiede im Untergrund später sichtbar werden. Deshalb ist eine gleichmäßige Fläche oft wichtiger als bei einem normalen deckenden Anstrich.

Eine pauschale Regel wie „Raufaser, Dispersionsfarbe und Gipskarton sind für alle Effektfarben geeignet“ würde ich deshalb nicht aufstellen.

Das ausgewählte Material bestimmt, welcher Untergrund dazu passt.

Lasiertechnik

Bei einer Lasur scheint der Untergrund teilweise durch die darüberliegende Farbschicht hindurch.

Dadurch entsteht Tiefe.

Je nach gewünschtem Effekt kann die Lasur beispielsweise mit einem Flächenstreicher oder einer geeigneten Bürste aufgetragen und anschließend verwischt oder strukturiert werden. Auch Schwämme oder andere dafür vorgesehene Werkzeuge können eingesetzt werden.

Die Bewegung des Werkzeugs beeinflusst das Ergebnis erheblich: kurze Kreuzbewegungen erzeugen einen anderen Charakter als lange Bögen oder eine gleichmäßige Wischrichtung.

Gerade deshalb macht die eigene Handschrift einen Teil dieser Technik aus.

Wischtechnik

Die Wischtechnik lebt von unregelmäßigen Übergängen.

Auf einem vorbereiteten Untergrund wird eine weitere Farbschicht so verarbeitet, dass sie nicht völlig gleichmäßig erscheint. Mit Bürste, Schwamm oder Wischwerkzeug entstehen weichere und dunklere Bereiche.

Das Ergebnis kann ruhig und zurückhaltend sein – oder sehr lebendig.

Bei größeren Wandflächen sollte man allerdings darauf achten, zusammenhängend zu arbeiten. Trocknen einzelne Bereiche bereits an, können unerwünschte Ansätze entstehen.

Wickel- oder Rolltechnik

Bei der klassischen Wickeltechnik wird ein geeignetes Tuch oder Werkzeug mit wenig Farbe versehen und über die Fläche gerollt.

Dadurch entsteht eine unregelmäßige Struktur.

Heute gibt es dafür auch spezielle Effektroller, die diesen Arbeitsgang vereinfachen.

Auch hier würde ich nicht sofort mit der Wohnzimmerwand beginnen.

Musterfläche machen, einen Schritt zurücktreten und ansehen.

Aus zwanzig Zentimetern Entfernung wirkt eine Struktur völlig anders als aus drei Metern.

Tupftechnik

Bei der Tupftechnik wird Farbe mit einem Schwamm oder einem anderen geeigneten Werkzeug auf die vorbereitete Fläche aufgetupft.

Dabei lassen sich zwei Farbtöne miteinander kombinieren oder sehr feine Tonunterschiede erzeugen.

Wichtig ist ein gewisser Rhythmus.

Wer immer exakt an derselben Stelle und mit demselben Druck tupft, erzeugt schnell ein künstliches Muster. Etwas Unregelmäßigkeit gehört zu dieser Technik.

Struktur- und Reibeputz

Strukturputze gehen noch einen Schritt weiter: Hier entsteht die Gestaltung nicht nur durch Farbe, sondern durch eine tatsächlich fühlbare Oberfläche.

Reibeputz wird typischerweise gleichmäßig aufgezogen und anschließend mit einem geeigneten Reibebrett oder Glätter strukturiert. Die Bewegung des Werkzeugs bestimmt dabei wesentlich das spätere Erscheinungsbild. Auch Bürsten und andere Werkzeuge können – abhängig vom verwendeten Produkt – unterschiedliche Strukturen erzeugen.

Dabei sollte immer nach den Verarbeitungsvorgaben des jeweiligen Materials gearbeitet werden.

Verarbeitungszeit und Arbeitsweise hängen vom Produkt, Untergrund, Raumklima und von der gewählten Struktur ab.

Dabei gilt:

Nicht mehr Fläche vorbereiten, als man sauber fertig strukturieren kann.

Altbau und Effektwände

Gerade beim Altbau lohnt sich Zurückhaltung.

Ein Raum mit Stuckdecke, historischen Türen, hohen Sockelleisten und einem alten Dielenboden besitzt bereits eine starke Gestaltung.

Eine Effektwand kann diese Elemente hervorheben.

Sie kann sie aber auch erschlagen.

Deshalb würde ich zuerst überlegen:

Was soll in diesem Raum eigentlich auffallen?

Ist es die Wand – oder beispielsweise die alte Tür davor?

Manchmal ist eine kräftige Struktur genau richtig. Manchmal reicht eine leicht lasierte Wand vollkommen aus.

Trocknung braucht Zeit

Wie lange eine dekorative Beschichtung trocknet, hängt vom verwendeten Material, der Schichtdicke, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und dem Untergrund ab.

Selbst vergleichbare moderne Effektbeschichtungen haben unterschiedliche Trocknungs- und Überarbeitungszeiten. Die Angaben des jeweiligen Herstellers sind hier maßgeblich.

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Tipps vom Altbaumeister

Üben Sie zuerst auf einem Reststück Gipskarton oder einer Musterplatte.

Das gilt besonders für Wisch-, Tupf- und Strukturtechniken.

Ein Werkzeug, eine andere Handbewegung oder etwas mehr Farbe können die Wirkung vollständig verändern.

Und wenn die erste Probe nicht gefällt?

Umso besser.

Dann war es nur die Musterplatte – und nicht die ganze Wand.