Türverlängerung im Altbau
Wenn die alte Tür plötzlich zu kurz ist
Bei alten Türen erlebt man manchmal etwas Merkwürdiges:
Die Tür selbst passt wunderbar zum Raum – aber zwischen Türblatt und Fußboden klafft ein deutlich sichtbarer Spalt.
Das kann verschiedene Ursachen haben.
Vielleicht wurde der Fußboden irgendwann verändert. Vielleicht lag dort früher Teppich, Linoleum oder ein anderer Belag. Vielleicht wurde eine Schwelle entfernt. Und manchmal ist eine Tür im Laufe ihres langen Lebens tatsächlich mehrfach angepasst worden.
Dann stellt sich die Frage:
Muss die ganze Tür ersetzt werden – oder lässt sie sich erhalten?
Gerade bei einer alten Kassettentür lautet meine Antwort zunächst:
Erhalten.
Erst herausfinden, warum der Spalt da ist
Bevor unten einfach eine Holzleiste angesetzt wird, sollte man sich den Bestand genau ansehen.
Ein Türspalt kann störende Zugluft verursachen.
Er kann aber auch konstruktiv gewollt oder für eine bestimmte Funktion erforderlich sein.
Deshalb zunächst prüfen:
Handelt es sich um eine Zimmertür, Wohnungseingangstür oder Außentür?
Wurde der Fußboden nachträglich verändert?
Gibt es eine Schwelle?
Schleift die Tür an irgendeiner Stelle?
Muss Luft zwischen Räumen überströmen können?
Erst danach entscheidet man, welche Lösung sinnvoll ist.
Bei Zugluft muss die Tür nicht automatisch verlängert werden
Gerade bei einer Wohnungs- oder Haustür ist ein sichtbarer Spalt nicht zwangsläufig ein Fall für den Tischler.
Oft lässt er sich mit einer geeigneten Bodendichtung schließen.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei offenen Türspalten beispielsweise nachrüstbare Dichtungen. Bei modernen Eingangstüren kommen unter anderem Bürsten-, Auflauf- oder absenkbare Bodendichtungen zum Einsatz. Verbraucherzentrale
Das hat einen Vorteil:
Eine passende Dichtung kann das historische Türblatt erhalten, ohne es zu verlängern.
Je nach Dichtung sind allerdings Bohrungen oder Fräsungen erforderlich. Deshalb eine zum Türblatt passende, möglichst schonende Lösung wählen.
Bei einer wertvollen alten Tür wäre das für mich immer die erste Überlegung.
Wann eine Türverlängerung sinnvoll sein kann
Manchmal ist der Spalt allerdings tatsächlich zu groß.
Ein typisches Beispiel:
Ein alter Bodenaufbau wurde entfernt und durch einen dünneren Belag ersetzt.
Die Tür, die vorher genau passte, endet nun mehrere Zentimeter über dem Boden.
Dann kann eine fachgerecht angesetzte Holzergänzung durchaus eine gute Lösung sein.
Besonders bei historischen Türen kann das erheblich sinnvoller sein, als die komplette Tür gegen ein modernes Standardmodell auszutauschen.
Reparieren und ergänzen statt ersetzen – genau das gehört für mich zum Altbau.
Welches Holz?
Die Ergänzung sollte möglichst zum vorhandenen Türblatt passen.
Dabei geht es weniger um die pauschale Regel „Hartholz ist besser“.
Wichtiger sind:
Holzart, Maserung, Feuchteverhalten, vorhandener Aufbau und die spätere Oberflächenbehandlung.
Bei einer alten lackierten Tür kann die Ergänzung später vollständig überlackiert werden.
Bei einer naturbelassenen oder lasierten Tür ist die Auswahl des Holzes deutlich anspruchsvoller, weil die Reparatur sichtbar bleiben kann.
Gerade hier lohnt sich gutes Tischlerhandwerk.
So würde ich vorgehen
Zuerst wird die Tür ausgemessen und geprüft, wie groß der tatsächlich notwendige Spalt zum Boden sein soll.
Dann wird ein passendes Holzstück exakt an die Unterkante angepasst.
Die Verbindung muss dauerhaft und ausreichend stabil sein. Wie sie ausgeführt wird – beispielsweise über eine konstruktive Holzverbindung, Verleimung und gegebenenfalls zusätzliche Befestigung – hängt vom Aufbau des vorhandenen Türblatts ab.
Eine historische Tür ist kein Bastelbrett. Die Verbindung sollte ein Tischler passend zum vorhandenen Türblatt ausführen.
Nach dem Verlängern muss die Tür noch funktionieren
Das klingt selbstverständlich, wird aber leicht vergessen.
Die Tür muss anschließend vollständig öffnen und schließen können.
Dabei sollte der gesamte Schwenkbereich geprüft werden.
Alte Böden sind selten vollkommen eben.
Was direkt unter der geschlossenen Tür wunderbar passt, kann einen Meter weiter plötzlich auf einer hochstehenden Diele schleifen.
Deshalb:
Nicht nur im geschlossenen Zustand messen.
Die Tür einmal vollständig bewegen und den Bodenverlauf prüfen.
Zugluft entsteht nicht nur unten
Wenn das eigentliche Problem Zugluft ist, sollte die ganze Tür betrachtet werden.
Auch zwischen Türblatt und Zarge können Dichtungen fehlen oder beschädigt sein.
Bei Haustüren betont die Verbraucherzentrale, dass eine gute Tür rundum dicht anschließen sollte – seitlich, oben und auch im unteren Bereich. Ebenso wichtig ist der fachgerechte Anschluss des Rahmens an das Mauerwerk. Verbraucherzentrale
Eine fünf Zentimeter verlängerte Tür hilft wenig, wenn es gleichzeitig an drei anderen Seiten zieht.
Vorsicht bei Brand- und Rauchschutztüren
Hier würde ich überhaupt nicht selbst anfangen.
Brand- und Rauchschutztüren sind geprüfte Bauteile beziehungsweise Systeme. Welche nachträglichen Veränderungen zulässig sind, richtet sich nach der jeweiligen Zulassung oder Bauartgenehmigung.
Das Deutsche Institut für Bautechnik führt für solche Türen ausdrücklich nur bestimmte zulässige Änderungen und Ergänzungen auf. Eine beliebige Verlängerung des Türblatts gehört deshalb nicht einfach zum normalen Heimwerkerprogramm. DIBt
Bei einer solchen Tür:
erst Kennzeichnung und Zulassung prüfen – dann Fachbetrieb.
Und beim Baudenkmal?
Bei einem denkmalgeschützten Gebäude kann selbst eine kleine Veränderung an einer historischen Tür relevant sein.
In Hamburg benötigen Veränderungen an geschützter Substanz grundsätzlich eine denkmalrechtliche Genehmigung. Das gilt je nach Schutzumfang ausdrücklich auch für Veränderungen im Inneren eines Gebäudes. Stadt Hamburg
Deshalb würde ich bei einer historischen Originaltür im Denkmal nicht einfach sägen, bohren oder Material ansetzen.
Erst abstimmen.
Tipps vom Altbaumeister
Eine hundert Jahre alte Tür auszubauen, nur weil unten drei Zentimeter fehlen, erscheint mir meistens als die schlechteste Lösung.
Zuerst überlegen:
Kann man sie erhalten?
Vielleicht reicht eine Dichtung.
Vielleicht lässt sich die Tür fachgerecht verlängern.
Vielleicht stammt der Spalt aber auch von einem Fußbodenumbau, den man erst einmal verstehen sollte.
Altbausanierung bedeutet nicht, jedes Problem durch ein neues Bauteil zu lösen.
Manchmal bedeutet sie einfach:
Das vorhandene Bauteil so gut zu reparieren, dass es die nächsten Jahrzehnte bleiben kann.



